Journal · Kräuterwissen

Kräutertee richtig zubereiten: Aufguss, Abkochung und Kaltauszug

Nicht jedes Kraut gibt seine Inhaltsstoffe auf dieselbe Weise ab. Ob Aufguss, Abkochung oder Kaltauszug richtig ist, hängt vom Pflanzenteil ab. Dieser Beitrag zeigt Schritt für Schritt, welche Methode wann passt.

WW
Wurzelwerk-Redaktion
Aktualisiert am 24. Juni 2026 · 9 Min. Lesezeit
Dampfende Tasse Kräutertee neben getrockneten Blüten, Blättern und einer Wurzel auf hellem Holztisch
Blüten, Blätter und Wurzeln verlangen unterschiedliche Zubereitungen · Bildmotiv

Ein Kräutertee wirkt einfach: heißes Wasser über die Kräuter, kurz warten, fertig. Doch je nachdem, welchen Teil einer Heilpflanze wir verwenden, lösen sich die Inhaltsstoffe ganz unterschiedlich. Eine zarte Blüte gibt ihr Aroma anders ab als eine harte Wurzel. Wer das berücksichtigt, holt aus denselben Kräutern spürbar mehr heraus. Dieser Beitrag erklärt die drei klassischen Zubereitungsarten – Aufguss, Abkochung und Kaltauszug – und wann welche passt.

Tee ist nicht gleich Tee

Im Alltag nennen wir fast jedes heiße Kräutergetränk „Tee". Genau genommen gibt es aber mehrere Zubereitungsverfahren, die sich in Temperatur und Dauer unterscheiden – und jedes eignet sich für andere Pflanzenteile. Der Grund liegt in der Struktur der Pflanze: Weiche Blätter und Blüten geben ihre Inhaltsstoffe schnell ans heiße Wasser ab. Harte Wurzeln, Rinden und feste Samen sind widerstandsfähiger; ihre Wirkstoffe lösen sich nur, wenn sie länger und intensiver mit Wasser in Kontakt kommen.

Drei Methoden decken die allermeisten Fälle ab. Der Aufguss (fachsprachlich Infus) übergießt die Kräuter mit kochendem Wasser und lässt sie ziehen. Die Abkochung (Dekokt) setzt die Kräuter mit kaltem Wasser auf und köchelt sie einige Minuten. Der Kaltauszug (Mazerat) zieht die Pflanzenteile über Stunden in kaltem Wasser aus. Welche Pflanze sich wofür eignet, lässt sich gut nachvollziehen, wenn man die einzelnen Kräuter etwas näher kennt – einen Einstieg dazu gibt der Beitrag über das Kennenlernen heimischer Heilpflanzen.

3
klassische Zubereitungsarten: Aufguss, Abkochung, Kaltauszug
5–10
Minuten Ziehzeit für die meisten Blätter- und Blütentees
1–2
Teelöffel getrocknete Kräuter pro Tasse als Faustregel

Der Aufguss – für Blätter und Blüten

Der Aufguss ist die häufigste und einfachste Zubereitung. Er eignet sich für alle weichen, zarten Pflanzenteile: Blätter, Blüten und die meisten oberirdischen Kräuter. Typische Beispiele sind Pfefferminze, Melisse, Kamille, Lindenblüte, Brennnessel oder Salbei.

So geht der Aufguss Schritt für Schritt:

  1. Ein bis zwei Teelöffel getrocknete Kräuter (oder etwa die doppelte Menge frischer Kräuter) in eine Tasse oder Kanne geben.
  2. Wasser aufkochen und die Kräuter mit dem sprudelnd heißen Wasser übergießen – rund 200 bis 250 Milliliter pro Tasse.
  3. Sofort einen Deckel auflegen, damit kein Dampf entweicht.
  4. Je nach Kraut 5 bis 10 Minuten ziehen lassen, dann die Kräuter abseihen.

Bei besonders empfindlichen, aromareichen Kräutern wie Pfefferminze oder Kamille reichen oft schon wenige Minuten. Zu langes Ziehen macht manche Tees unnötig bitter oder gerbstoffreich, ohne dass sie „stärker" wirken. Grüner und schwarzer Tee sind übrigens ebenfalls Aufgüsse, verlangen aber oft kühleres Wasser und kürzere Zeiten – hier lohnt der Blick auf die Packung.

Deckel drauf

Legen Sie beim Ziehen immer einen Deckel auf Tasse oder Kanne. Viele Heilpflanzen enthalten ätherische Öle, die mit dem Wasserdampf entweichen. Der Deckel hält sie im Getränk – das bewahrt Aroma und wertvolle Inhaltsstoffe, besonders bei Pfefferminze, Kamille und Melisse.

Die Abkochung – für Wurzeln und Rinde

Harte Pflanzenteile geben ihre Inhaltsstoffe nicht schnell genug an heißes Wasser ab. Für Wurzeln, Rinden, Hölzer und feste Samen ist deshalb die Abkochung die richtige Methode. Beispiele sind Ingwerwurzel, Baldrianwurzel, Eichenrinde oder Fenchelsamen (die man zusätzlich leicht anmörsern kann).

So bereiten Sie eine Abkochung zu:

  1. Die zerkleinerten Wurzeln, Rinden oder Samen mit kaltem Wasser in einen Topf geben.
  2. Langsam aufkochen und dann bei kleiner Hitze etwa 10 bis 15 Minuten leicht köcheln lassen.
  3. Vom Herd nehmen und noch einige Minuten zugedeckt nachziehen lassen.
  4. Durch ein Sieb abgießen und warm trinken.

Durch das Köcheln lösen sich auch schwerer zugängliche Wirkstoffe aus dem festen Gewebe. Wichtig: Manche Wurzeln und Rinden enthalten kräftige, mitunter stark wirksame Substanzen. Halten Sie sich an übliche Mengen und – bei Arzneitees – an die Dosierungsangabe auf der Verpackung. Wer regelmäßig eigene Kräuter verwenden möchte, findet Anregungen dazu, welche Pflanzen sich leicht ziehen lassen, im Beitrag über das Anlegen eines Kräutergartens.

Der Kaltauszug – für empfindliche Pflanzen

Einige Pflanzen enthalten Inhaltsstoffe, die durch Hitze verändert oder zerstört würden, oder sie geben bei heißem Wasser zu viele unerwünschte Bitter- und Schleimstoffe frei. Für sie ist der Kaltauszug (Mazerat) gedacht. Klassische Beispiele sind Eibischwurzel und Malve mit ihren empfindlichen Schleimstoffen, aber auch Bärlauch oder Mistel werden traditionell kalt angesetzt.

So funktioniert ein Kaltauszug:

  1. Die Kräuter mit kaltem, frischem Wasser übergießen (Menge wie beim Aufguss).
  2. Zugedeckt bei Zimmertemperatur oder im Kühlschrank 6 bis 12 Stunden stehen lassen, gelegentlich umrühren.
  3. Abseihen. Wer möchte, erwärmt den fertigen Auszug anschließend kurz auf Trinktemperatur – ohne ihn zu kochen.

Weil bei kalter Zubereitung keine Hitze keimtötend wirkt, sollte man frisches Wasser verwenden, sauber arbeiten und den Kaltauszug zügig – am besten innerhalb eines Tages – verbrauchen. Manche Schleimstoffdrogen werden auch als „Kaltansatz mit anschließendem kurzem Erhitzen" zubereitet; die genaue Empfehlung steht bei Apothekendrogen auf der Packung.

Ziehzeit und Menge im Überblick

Die passende Methode, Menge und Ziehzeit lassen sich für den Alltag gut zusammenfassen. Die folgende Tabelle zeigt die drei Verfahren, wofür sie sich eignen und wie lange die Kräuter jeweils brauchen. Sie ersetzt keine spezifische Herstellerangabe, gibt aber sichere Anhaltspunkte.

ZubereitungsartGeeignet fürZiehzeit
Aufguss (Infus) – kochendes Wasser übergießenBlätter, Blüten, zarte Kräuter (z. B. Pfefferminze, Kamille, Melisse)5–10 Minuten
Abkochung (Dekokt) – aufsetzen und köchelnWurzeln, Rinden, feste Samen (z. B. Ingwer, Baldrian, Fenchel)10–15 Minuten köcheln
Kaltauszug (Mazerat) – in kaltem Wasser ansetzenempfindliche Schleimstoff-Pflanzen (z. B. Eibisch, Malve)6–12 Stunden

Als Mengen-Faustregel gelten ein bis zwei Teelöffel getrocknete Kräuter pro Tasse (rund 200–250 ml). Bei frischen Kräutern nimmt man wegen ihres Wassergehalts etwa die doppelte Menge. Für Arznei- und Fertigtees aus der Apotheke ist immer die Angabe auf der Verpackung maßgeblich, weil sich die Wirkstoffgehalte einzelner Chargen unterscheiden können. Mehr hilft nicht automatisch mehr: Eine korrekte Dosierung ist sinnvoller als eine besonders starke Mischung.

Aufbewahrung und Qualität

Damit im Tee tatsächlich etwas Wirksames landet, kommt es auf gute Rohware an. Getrocknete Kräuter bewahren Sie am besten dunkel, trocken und gut verschlossen auf – zum Beispiel in luftdichten Gläsern oder Dosen, fern von Wärmequellen und Feuchtigkeit. Licht, Luft und Wärme bauen ätherische Öle und andere Inhaltsstoffe mit der Zeit ab.

Ein einfacher Qualitätscheck ist der Sinnestest: Gute Kräuter haben eine kräftige, typische Farbe und einen deutlichen Duft. Riechen sie nur noch schwach oder muffig, haben sie viel Aroma und Wirkung verloren. In der Regel verbraucht man getrocknete Kräuter innerhalb von etwa einem Jahr. Achten Sie beim Einkauf auf saubere, möglichst schadstoffkontrollierte Ware – Arzneitees aus der Apotheke unterliegen hier klaren Prüfvorgaben.

Der fertig aufgegossene Tee schmeckt frisch am besten und sollte möglichst am selben Tag getrunken werden. Reste lassen sich abgedeckt im Kühlschrank einige Stunden aufbewahren; ein Kaltauszug hält dort etwa einen Tag. Weitere Grundlagen rund um Pflanzen, Ernte und Trocknung finden sich ebenfalls im Journal von Wurzelwerk.

Grenzen und Vorsicht

Kräutertee ist für viele Menschen ein wohltuendes Alltagsgetränk und wird traditionell zur Unterstützung des Wohlbefindens genutzt. „Pflanzlich" heißt aber nicht automatisch „harmlos". Heilpflanzen enthalten wirksame Substanzen, die – gerade in großen Mengen oder über lange Zeit – auch Nebenwirkungen haben oder mit Medikamenten wechselwirken können.

Ein bekanntes Beispiel ist Johanniskraut: Es kann die Wirkung zahlreicher Arzneimittel abschwächen, darunter bestimmte Blutverdünner, Immunsuppressiva und hormonelle Verhütungsmittel. Auch andere Kräuter sind nicht für jeden geeignet. In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern, bei Vorerkrankungen oder gleichzeitiger Medikamenteneinnahme empfiehlt sich Zurückhaltung und im Zweifel eine Rücksprache in Arztpraxis oder Apotheke – besonders bei regelmäßigem Dauergebrauch.

Wichtiger Hinweis

Heiltee ersetzt keine ärztliche Behandlung. Bei Dauergebrauch, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme sollten Sie die Anwendung ärztlich abklären lassen. Beachten Sie mögliche Wechselwirkungen, etwa von Johanniskraut mit vielen Arzneimitteln. Bei anhaltenden oder unklaren Beschwerden suchen Sie ärztlichen Rat.

Häufige Fragen

Wie lange sollte Kräutertee ziehen?

Als Faustregel ziehen Blätter- und Blütentees als Aufguss 5 bis 10 Minuten. Abkochungen aus Wurzeln, Rinde oder harten Samen köcheln etwa 10 bis 15 Minuten und ziehen danach kurz nach. Ein Kaltauszug braucht deutlich länger, meist 6 bis 12 Stunden im kühlen Wasser. Die genaue Zeit hängt von der Pflanze ab und steht bei Fertigmischungen aus der Apotheke auf der Packung.

Was ist der Unterschied zwischen Aufguss und Abkochung?

Beim Aufguss (Infus) wird kochendes Wasser über die Kräuter gegossen und ziehen gelassen. Er eignet sich für weiche Pflanzenteile wie Blätter und Blüten. Bei der Abkochung (Dekokt) werden die Kräuter mit Wasser aufgesetzt und mehrere Minuten geköchelt. Diese Methode eignet sich für harte Pflanzenteile wie Wurzeln, Rinde und feste Samen, deren Inhaltsstoffe sich sonst nicht ausreichend lösen würden.

Wie viel Kräuter nimmt man für eine Tasse Tee?

Eine übliche Faustregel sind ein bis zwei Teelöffel getrocknete Kräuter pro Tasse (etwa 200 bis 250 Milliliter). Bei frischen Kräutern nimmt man wegen des höheren Wassergehalts etwa die doppelte Menge. Für Fertigmischungen und Arzneitees gilt die Dosierungsangabe auf der Verpackung, denn die Wirkstoffgehalte können sich unterscheiden.

Warum soll man beim Ziehen einen Deckel auflegen?

Ein Deckel auf der Tasse oder Kanne hält den aufsteigenden Wasserdampf zurück. Mit diesem Dampf würden sonst ätherische Öle entweichen, die zu den wirksamen und aromatischen Bestandteilen vieler Heilpflanzen zählen – etwa bei Pfefferminze, Kamille oder Melisse. Der Deckel bewahrt also Aroma und Inhaltsstoffe im Getränk.

Wie lange ist selbst gemachter Kräutertee haltbar?

Frisch zubereiteter Tee sollte möglichst am selben Tag getrunken werden. Im Kühlschrank und abgedeckt hält er sich meist einige Stunden, ein Kaltauszug etwa einen Tag. Getrocknete Kräuter zur Zubereitung bewahrt man dunkel, trocken und gut verschlossen auf und verbraucht sie in der Regel innerhalb von etwa einem Jahr, solange Farbe und Duft erhalten bleiben.

Kann Kräutertee schädlich sein?

Auch pflanzliche Tees sind nicht automatisch harmlos. Manche Kräuter können Nebenwirkungen haben oder mit Medikamenten wechselwirken – Johanniskraut etwa mit zahlreichen Arzneimitteln. In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern, Vorerkrankungen und Dauergebrauch ist Zurückhaltung geboten. Heiltees ersetzen keine ärztliche Behandlung; bei anhaltenden Beschwerden ist ärztlicher Rat angezeigt.

Quellen & Literatur

  1. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – Kommission E / HMPC. Monographien und Bewertungen zu pflanzlichen Arzneimitteln. Abgerufen 2026.
  2. IQWiG – gesundheitsinformation.de. Verlässliche Informationen zu pflanzlichen Mitteln und Anwendungen. Abgerufen 2026.
  3. PhytoDoc – Redaktion Naturheilkunde. Heilpflanzen und Zubereitungsformen: Aufguss, Abkochung, Kaltauszug. Abgerufen 2026.
  4. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) – HMPC. Herbal medicinal products: Bewertungsberichte. Abgerufen 2026.
  5. Carstens-Stiftung – Natur und Medizin. Wissen zu Heilpflanzen und Phytotherapie. Abgerufen 2026.

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