Journal · Kräuterwissen

Zehn Heilpflanzen, die man kennen sollte

Kamille, Pfefferminze, Salbei & Co. – viele Heilpflanzen wachsen vor der Haustür und begleiten den Alltag seit Jahrhunderten. Zehn Porträts über ihre traditionelle Anwendung, die übliche Form als Tee oder Tinktur und die Hinweise, die dazugehören.

WW
Wurzelwerk-Redaktion
Aktualisiert am 30. Juni 2026 · 11 Min. Lesezeit
Botanische Darstellung verschiedener Heilpflanzen mit Blüten und Blättern
Bekannte Heilpflanzen aus Garten und Wiese · Bildmotiv

Die meisten Heilpflanzen sind keine exotischen Gewächse, sondern alte Bekannte: Sie stehen im Kräutergarten, wachsen am Wegrand oder liegen als Gewürz in der Küchenschublade. Wer eine Handvoll dieser Pflanzen kennt, versteht ein Stück gelebter Naturheilkunde – und kann kleine Alltagsthemen der Jahreszeit gelassener begegnen. Dieses Porträt stellt zehn verbreitete Heilpflanzen vor, ordnet ihre überlieferte Verwendung ein und sagt auch, wo Vorsicht geboten ist.

Warum Heilpflanzen kennen?

Als Heilpflanze bezeichnet man eine Pflanze, deren Teile – Blüten, Blätter, Wurzeln oder Samen – traditionell zu gesundheitlichen Zwecken verwendet werden. Der Umgang mit ihnen ist Teil der ältesten Erfahrungsheilkunde überhaupt: Lange bevor es Apotheken gab, war das Wissen über Kräuter Alltagswissen, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Ein guter Teil dieses Erfahrungsschatzes ist bis heute lebendig.

Heilpflanzen zu kennen heißt nicht, sich selbst zu behandeln. Es heißt zunächst, ein Gespür dafür zu entwickeln, wofür eine Pflanze traditionell eingesetzt wird, in welcher Form sie üblich ist und worauf man achten sollte. Manche dieser Anwendungen sind wissenschaftlich gut untersucht, andere beruhen vor allem auf langer Erfahrung. Beides hat seinen Wert – solange man den Unterschied kennt und ehrlich benennt.

Viele der bekanntesten Heilkräuter sind zugleich Küchenkräuter: Pfefferminze, Salbei, Thymian und Fenchel würzen das Essen und gehören seit jeher zur Hausapotheke. Diese Nähe zwischen Küche und Kräuterkunde ist typisch für die überlieferte europäische Pflanzenheilkunde. Wer den Schritt vom Wissen zum eigenen Anbau gehen möchte, findet Anregungen dazu in unserem Beitrag, wie man einen kleinen Kräutergarten anlegt.

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bekannte Heilpflanzen im Porträt
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gängige Grundformen: Tee & Tinktur
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Grundregel: pflanzlich ≠ harmlos

Zehn Porträts im Überblick

Die folgenden zehn Pflanzen sind eine solide Grundausstattung an Kräuterwissen. Alle Angaben beschreiben die überlieferte, traditionelle Verwendung – sie sind keine Heilversprechen und keine Aussagen zur Behandlung von Krankheiten.

Kamille

Die echte Kamille mit ihren kleinen weißen Blüten ist der Inbegriff des Hausmittels. Traditionell wird sie bei Magen-Darm-Beschwerden und Blähungen als Tee getrunken, äußerlich als Umschlag oder Dampfbad bei gereizter Haut genutzt. Als Korbblütler kann sie bei entsprechender Allergie Reaktionen auslösen; für die Augen sind Kamillendämpfe nicht geeignet.

Pfefferminze

Pfefferminze ist an ihrem frischen Duft sofort zu erkennen. Als Tee wird sie traditionell bei Verdauungsbeschwerden und Völlegefühl getrunken. Das stark konzentrierte ätherische Öl wird herkömmlich bei Anspannung im Kopf-Schläfen-Bereich äußerlich verwendet – es gehört aber nicht in die Nähe von Gesicht und Atemwegen kleiner Kinder.

Salbei

Salbei ist ein robustes Gartenkraut mit samtigen Blättern. Überliefert ist seine Anwendung im Hals- und Mundraum – als Gurgellösung oder Spülung – sowie bei übermäßigem Schwitzen. In Schwangerschaft und Stillzeit wird zu Zurückhaltung geraten, besonders bei konzentrierten Zubereitungen.

Baldrian

Die Wurzel des Baldrians hat einen unverwechselbaren, für manche gewöhnungsbedürftigen Geruch. Traditionell wird sie bei innerer Unruhe und nervös bedingten Einschlafproblemen als Tee, Tinktur oder Fertigpräparat genannt. Ihre beruhigende Wirkung setzt eher langsam und über einen längeren Zeitraum ein – Baldrian ist kein Mittel für den schnellen Effekt.

Johanniskraut

Das gelb blühende Johanniskraut wird traditionell bei gedrückter Stimmung und innerer Anspannung genannt. Es ist zugleich die Pflanze dieser Liste, bei der am meisten Vorsicht geboten ist: Johanniskraut kann die Wirkung zahlreicher Medikamente abschwächen und die Haut lichtempfindlicher machen. Mehr dazu im Abschnitt zu den Wechselwirkungen.

Ringelblume

Die leuchtend orange Ringelblume (Calendula) ist vor allem ein Kraut für die Haut. Sie wird traditionell äußerlich als Salbe oder Umschlag bei kleinen Hautreizungen und zur Pflege beanspruchter Haut verwendet. Auch sie ist ein Korbblütler, sodass bei entsprechender Allergie Vorsicht angebracht ist.

Spitzwegerich

Der Spitzwegerich ist eine unscheinbare heimische Wiesenpflanze mit langen, schmalen Blättern. Überliefert ist seine Verwendung bei Reizhusten als Tee oder Sirup und äußerlich als Auflage bei kleinen Hautreizungen und Insektenstichen – ein klassisches Kraut vom Wegrand, das viele noch aus Kindertagen kennen.

Fenchel

Fenchelsamen ergeben einen mild-süßlichen Tee, der traditionell bei Blähungen und leichten Verdauungsbeschwerden getrunken wird – oft in der Mischung mit Anis und Kümmel. Fenchel ist damit zugleich Gewürz und Heilkraut. Für die Anwendung bei Säuglingen und in der Schwangerschaft gilt: nur nach Rücksprache mit einer Fachperson.

Thymian

Thymian ist ein aromatisches Küchen- und Heilkraut mit winzigen Blättern. Traditionell wird er bei Beschwerden der Atemwege und Husten im Rahmen von Erkältungen als Tee oder Sirup verwendet. Als würziges Gewürz landet er ohnehin regelmäßig im Kochtopf – seine Doppelrolle macht ihn zu einem der praktischsten Kräuter überhaupt.

Lindenblüte

Die duftenden Blüten der Linde werden im Frühsommer gesammelt und getrocknet. Als Tee sind sie ein Klassiker der Erkältungszeit, traditionell getrunken bei fieberhaften Erkältungen, um ins Schwitzen zu kommen, und abends zur Beruhigung. Lindenblütentee gilt als mild und wird deshalb gern auch dann getrunken, wenn kräftigere Kräuter nicht infrage kommen.

Verwechslungsgefahr beim Sammeln

Einige Heilpflanzen haben giftige Doppelgänger – Bärlauch etwa wird mit Maiglöckchen und Herbstzeitlose verwechselt. Wer nicht ganz sicher ist, welche Pflanze vor ihm steht, sollte sie im Zweifel nicht sammeln, sondern in geprüfter Qualität in der Apotheke kaufen.

Die zehn Pflanzen auf einen Blick

Die folgende Tabelle fasst die zehn Porträts zusammen. Die Spalte „traditionell angewendet bei“ nennt überlieferte Anwendungsbereiche – das sind keine Heilversprechen und keine Aussagen zur Behandlung von Krankheiten, sondern eine neutrale Einordnung der traditionellen Verwendung.

PflanzeTraditionell angewendet beiAnwendungsform
KamilleMagen-Darm-Beschwerden, Blähungen; äußerlich bei gereizter HautTee, Umschlag, Dampfbad · Korbblütler-Allergie möglich
PfefferminzeVerdauungsbeschwerden, Völlegefühl; Öl bei Kopf-AnspannungTee, ätherisches Öl · Öl nicht bei Säuglingen/Kleinkindern
SalbeiHals- und Mundraum (Gurgeln/Spülen); übermäßiges SchwitzenTee, Gurgellösung · in Schwangerschaft/Stillzeit zurückhaltend
Baldrianinnere Unruhe, nervös bedingte EinschlafproblemeTee, Tinktur, Kapsel · Wirkung setzt eher langsam ein
Johanniskrautgedrückte Stimmung, innere AnspannungTee, Kapsel · Wechselwirkungen mit Medikamenten! Lichtempfindlichkeit möglich
Ringelblume (Calendula)kleine Hautreizungen, Pflege beanspruchter Hautäußerlich als Salbe/Umschlag · Korbblütler-Allergie möglich
SpitzwegerichReizhusten; äußerlich bei Hautreizungen und InsektenstichenTee, Sirup, Auflage · heimische Wiesenpflanze
FenchelBlähungen, leichte VerdauungsbeschwerdenTee aus den Samen · bei Säuglingen/Schwangerschaft nur nach Rücksprache
ThymianAtemwegsbeschwerden, Husten bei ErkältungenTee, Sirup · als Küchen- und Heilkraut verbreitet
Lindenblütefieberhafte Erkältungen (schweißtreibend); Beruhigung am AbendTee aus getrockneten Blüten · gilt als mild

Die Angaben beschreiben die überlieferte, traditionelle Verwendung. Sie sind keine Dosierungsempfehlung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Wie belastbar die einzelnen Anwendungen wissenschaftlich sind, ist je nach Pflanze unterschiedlich.

Wie man sie verwendet: Tee und Tinktur

Die beiden häufigsten Formen, in denen Heilpflanzen zu Hause verwendet werden, sind der Tee und die Tinktur. Beide sind einfache Auszüge, die die Inhaltsstoffe der Pflanze in eine anwendbare Form bringen – die Kunst liegt weniger in der Zubereitung als im maßvollen Umgang.

Der Tee (fachlich: Aufguss oder Infus) ist die klassische Zubereitung: getrocknete oder frische Pflanzenteile werden mit heißem Wasser übergossen und ziehen einige Minuten zugedeckt. Zarte Teile wie Blüten und Blätter geben ihre Inhaltsstoffe schnell ab; harte Teile wie Wurzeln und Samen werden manchmal kurz aufgekocht (Abkochung oder Dekokt). Das Zudecken beim Ziehen ist kein Detail – bei aromatischen Kräutern bewahrt es die flüchtigen ätherischen Öle im Aufguss. Mehr über Aufgüsse, Ziehzeiten und Mischungen lesen Sie in unserem Beitrag zu Tees und Aufgüssen.

Die Tinktur ist ein Auszug in Alkohol, der die Wirkstoffe konzentriert und lange haltbar macht. Sie wird tropfenweise dosiert, meist in etwas Wasser. Weil Tinkturen deutlich konzentrierter sind als ein Tee und Alkohol enthalten, eignen sie sich weniger für Kinder und für alle, die Alkohol meiden. Daneben gibt es äußerliche Formen – Umschläge, Bäder und fertige Salben –, die vor allem bei Haut- und Muskelthemen zum Einsatz kommen.

Vorsicht & Wechselwirkungen

„Natürlich“ wird oft mit „harmlos“ verwechselt – zu Unrecht. Heilpflanzen enthalten wirksame Inhaltsstoffe, und was wirkt, kann auch unerwünscht wirken. Manche Pflanzen lösen Allergien aus, andere sind in der Schwangerschaft nicht geeignet, wieder andere vertragen sich schlecht mit Medikamenten.

Das bekannteste Beispiel ist das Johanniskraut: Es kann in der Leber Abbauwege beschleunigen und dadurch die Wirkung vieler Arzneimittel abschwächen – darunter die Antibabypille, gerinnungshemmende Mittel und bestimmte Antidepressiva. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte Johanniskraut daher nie ohne ärztliche oder pharmazeutische Rücksprache verwenden. Ähnlich gilt für Korbblütler wie Kamille und Ringelblume, dass Menschen mit einer entsprechenden Allergie reagieren können, und für konzentrierte ätherische Öle, dass sie stets verdünnt und nie bei Säuglingen im Gesichtsbereich angewendet werden.

Pflanzlich heißt nicht harmlos

Heilpflanzen können das Wohlbefinden begleiten, ersetzen aber keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Johanniskraut kann die Wirkung vieler Medikamente – etwa der Pille und von Blutverdünnern – beeinträchtigen. In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern und bei bestehenden Erkrankungen oder Dauermedikation gehört jede Anwendung vorher ärztlich abgeklärt. Bei starken, anhaltenden oder unklaren Beschwerden, hohem Fieber oder Atemnot zuerst zum Arzt – im Notfall 112.

Sammeln oder kaufen?

Selbst gesammelte Kräuter haben ihren Reiz – sie verbinden das Kräuterwissen mit einem Spaziergang und der Jahreszeit. Für Einsteiger ist der Kauf in Apotheke, Drogerie oder Reformhaus jedoch der sicherere Weg. Dort ist die Ware auf Qualität geprüft, frei von Verwechslungen und im Gehalt der Inhaltsstoffe verlässlich – gerade bei Kräutern, die man innerlich anwendet, ist das ein handfester Vorteil.

Wer dennoch selbst sammeln möchte, hält sich an einfache Regeln: nur Pflanzen ernten, die man eindeutig bestimmen kann, und nur an unbelasteten Standorten abseits von Straßen, Feldrändern und Hundewegen. Geschützte Arten bleiben ohnehin stehen. Und die wichtigste Regel steht schon im Hinweis oben: Bei der geringsten Unsicherheit über die Pflanze lieber verzichten und kaufen. Für den Übergang zwischen beidem ist der eigene Kräutergarten ideal – dort weiß man genau, was wächst. Weitere Kräuterthemen sammeln wir im Journal.

Häufige Fragen

Welche Heilpflanzen sollte man kennen?

Zu den bekanntesten und vielseitigsten Heilpflanzen zählen Kamille, Pfefferminze, Salbei, Baldrian, Johanniskraut, Ringelblume, Spitzwegerich, Fenchel, Thymian und Lindenblüte. Sie decken traditionell häufige Alltagsthemen ab – von Verdauung über die Erkältungszeit bis zu innerer Unruhe – und viele davon wachsen im heimischen Garten oder auf der Wiese.

Sind Heilpflanzen harmlos, weil sie natürlich sind?

Nein. Pflanzlich bedeutet nicht automatisch harmlos. Heilpflanzen enthalten wirksame Inhaltsstoffe, können Allergien auslösen, mit Medikamenten wechselwirken – ein bekanntes Beispiel ist Johanniskraut – und sind nicht für jede Person geeignet. In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern und bei bestehenden Erkrankungen sollte die Anwendung vorab ärztlich abgeklärt werden.

Wie werden Heilpflanzen üblicherweise angewendet?

Die häufigsten Formen sind der Tee (Aufguss aus getrockneten oder frischen Pflanzenteilen), die Tinktur (ein alkoholischer Auszug, tropfenweise dosiert), Umschläge und Bäder zur äußerlichen Anwendung sowie fertige Salben. Welche Form sich eignet, hängt von der Pflanze und dem gewünschten Zweck ab.

Wofür wird Johanniskraut traditionell verwendet – und was ist zu beachten?

Johanniskraut wird traditionell bei gedrückter Stimmung und innerer Anspannung genannt. Wichtig ist, dass es die Wirkung zahlreicher Medikamente abschwächen kann – darunter die Antibabypille, Blutverdünner und bestimmte Antidepressiva – und die Haut lichtempfindlicher machen kann. Vor der Anwendung sollte deshalb ärztlicher oder pharmazeutischer Rat eingeholt werden.

Sollte man Heilpflanzen selbst sammeln oder kaufen?

Für Einsteiger ist der Kauf in Apotheke oder Reformhaus der sicherere Weg: geprüfte Qualität, kein Verwechslungsrisiko und gleichbleibender Gehalt an Inhaltsstoffen. Wer selbst sammelt, sollte nur eindeutig bestimmbare Pflanzen an unbelasteten Standorten ernten – im Zweifel nicht sammeln, denn einige Heilpflanzen haben giftige Doppelgänger.

Ersetzen Heilpflanzen den Arztbesuch?

Nein. Heilpflanzen können das Wohlbefinden begleiten, ersetzen aber keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei starken, anhaltenden oder unklaren Beschwerden, bei hohem Fieber, Atemnot oder anderen Warnzeichen gehört die Ursache immer zuerst ärztlich abgeklärt. Im Notfall gilt die 112.

Quellen & Literatur

  1. Kommission E / BfArM. Monographien zu pflanzlichen Arzneimitteln. Abgerufen 2026.
  2. HMPC – Committee on Herbal Medicinal Products (EMA). Herbal medicine monographs. Abgerufen 2026.
  3. PhytoDoc. Heilpflanzen-Lexikon. Abgerufen 2026.
  4. IQWiG – gesundheitsinformation.de. Verlässliche Gesundheitsinformationen, u. a. zu Johanniskraut. Abgerufen 2026.

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